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Sachanalyse

1. St. Annen-Museum

Das St. Annen-Kloster und die dazugehörige Kirche wurden für Nonnen des Augustinerordens von 1502 bis 1515 im spätgotischen Stil errichtet. Das Kloster diente vor allem der Unterbringung unverheirateter Töchter Lübecker Bürger. Man weihte auf Vorschlag des Lübeckers Bischofs das Kloster der heiligen Anna, der Mutter Marias, da sie ihre Tochter vorbildlich zur Reinheit erzogen hatte. Im Zuge der Reformation wurde das Kloster geschlossen und 1532 verließen die letzten Nonnen das Kloster. 1610 entstand in den Räumen ein Armen- und Werkhaus, wo Bettler zur Arbeit gezwungen wurden. Später wurden weitere Teile als Zuchthaus genutzt, wofür 1778 ein weiterer Flügel, das sogenannte Spinnhaus, errichtet wurde. Armenpflege und Strafvollzug befanden sich unter einem Dach. Die Kirche diente bis zu ihrer Zerstörung unter anderem als Lagerraum für Kanonen.

1843 brannten Teile des Klosters und der Kirche aus. Im Erdgeschoss des Klosters sind die meisten Räume noch original aus der Erbauungszeit erhalten.

Von 1912-1914 richtete man in den Klosterräumen ein Museum für die heimatlosen Schätze kirchlicher Kunst und bürgerlicher Kultur der Hansestadt ein. 1875 wurden die Ruinen der ausgebrannten Kirche abgerissen und an dessen Stelle 2003 die Kunsthalle für moderne Kunst errichtet.

2. Köhlersche Ahnengalerie – eine Porträtfolge aus dem 17 Jh.

Die Ahnengalerie, die sich im ersten Stock des St. Annen-Museums befindet, umfasst 20 großformatigen Porträts, die im 17 Jahrhundert entstanden sind. Auftragsgeber Anton Köhler ließ nicht nur die eigene Familie, sondern auch diejenigen Vorfahren malen, die sich bis zum 15 Jahrhundert in Lübeck nachweisen lassen. Die Vorlage waren Ahnenbilder, Altartafeln und Epitaphen.

Porträts:

Unbekannter Meister
Heinrich Westphal (1505)
1496 Lübecker Ratsherr
Sohn des Lübecker Ratsherrn Johann Westfall
Urgroßvater des Stifters Anton Köhler d. J.

Unbekannter Meister
Hermann von Wickede (1436-1501)
1479 Lübecker Ratsherr, 1489 Bürgermeister
Sohn des Ratsherrn Johann von Wickede
Urgroßvater des Stifters Anton Köhler d. J.

Michael Conrad Hirt
Agneta Köhler (1625-1640)
Tochter des Stifters Anton Köhler d. J. und seiner ersten Frau Anna

Unbekannter Meister
Anna Tode geb. von Wickede
Tochter des Bürgermeisters Hermann von Wickede
Urgroßmutter des Stifters Anton Köhler
Verheiratet mit Marcus Tode (1551)

Michael Conrad Hirt
Margarete Broemse geb. Köhler (1626-1642)
Tochter des Stifters Anton Köhler d. J.

Unbekannter Maler
Christoph Tode (1512-1579)
1566 Lübecker Bürgermeister
Sohn des Marcus Tode und seiner Ehefrau Anna
Großvater des Stifters Anton Köhler

Zacharias Kniller
Anton Köhler d. J. (1585-1657)
1642 Lübecker Ratsherr und Bürgermeister
Sohn des Anton Köhler d. A. Jurist, in hohen überregionalen Position tätig. Nach dem Tod seines Bruders Heinrich zum Ratsherrn und Bürgermeister in Lübeck gewählt.
Von Kaiser Ferdinand III. in den Adelstand erhoben.
Mit Anton Köhler erreichte die Ratsfamilie ihren Höhepunkt, er veranlasste die Anfertigung der Ahnengalerie, die ca. 20 Bilder umfasst.

Johann Heinrich Kass
Anton Köhler d. Ä. (1522-1589)
In Sachsen-Lauenburg Vizekanzler, Ratsherr und Bürgermeister
Sohn des Heinrich Köhler d. Ä. und seiner Frau Agneta
Vater des Stifters Anton Köhler d. J.

Unbekannter Maler
Anna Köhler geb. Hebbens (1599)
Tochter des Thomas Hebbenserste Ehefrau des Stifters Anton Köhler d. J.

Unbekannter Maler
Agneta Köhler geb. Tode (1554-1617)
Tochter des Christoph Tode und seiner Ehefrau Katharina
Mutter des Stifters Anton Köhler d. J.

Johann Heinrich Kass
Magdalena Köhler geb. Broemse (1679)
Tochter des Ratsherrn Dietrich Broemse und seiner Ehefrau Metke Lüneborg
Zweite Ehefrau des Stifters Anton Köhler d. J.

Unbekannter Maler
Heinrich Köhler d. J. (1576- 1641)
1617 Lübecker Ratsherr, 1624 Bürgermeister
Bruder des Stifters Anton Köhler d. J. und sein unmittelbarer Vorgänger im Amt des Bürgermeisters.

Burchard Wulff
Engel Köhler (1665)
Tochter des Stifters Anton Köhler d. J. und seiner zweiten Ehefrau Magdalena

3. Mode des Bürgers

Am spanischen Hof (1550-1715) entstand eine neue höfische Kultur, in der jedes individuelle Leben erstarrte. Mode war jetzt gleichzusetzen mit Hofmode. In seinen Grundzügen verbreitete sich der spanische Stil nicht nur in der Oberschicht, sondern auch bei den Bürgern der Nachbarländer. Der Stil bestimmte etwas später die Mode in Deutschland.

Die Kleidung erhielt einen düsteren und ernsten Charakter. Die Frauen trugen ein Korsett von geometrischen Formen. Enge und Farblosigkeit bestimmte die Mode, die alles Weibliche verneinte. Die Silhouette der Frauenkleider versteifte sich mehr und mehr und glich zwei gegeneinander auf die Spitze gestellten Kegeln. Ein Ausschnitt war streng verpönt.

Die weiße Krause war der einzige freundliche Akzent. Die ursprünglich zierliche Krause vergrößerte sich immer mehr. Um 1575 wurde diese zur selbständigen spitzenbesetzten Halskrause und um 1600 zum breiten Mühlensteinkragen. Die weißen Spitzen standen in Farb- und Materialkontrast zu den schweren, meist dunklen Seiden- und Samtstoffen. Prunkvolle Stickereien und Besätze aus Goldfäden schmückten oft die Stoffflächen von Oberteil und Rock. Eine Besonderheit waren die offenen Hängeärmel. Diese wurden an den mit Schulterpolstern versehenen Oberteilen angesetzt. Darunter wurden enge lange Ärmel sichtbar. Mit der Vergrößerung der Halskrause musste sich die Frisur schmal nach oben schieben, was durch zierliche hohe Hüte noch betont wurde.

Das Wams der Männer war hochgeschlossen und wattiert. Wie bei der Frauenkleidung endeten Stehkragen und die langen Ärmel in einer hellen Krause. Der Kragen veränderte sich zu einen steif anstehenden, flachen und breiten Herrenkragen. Die Schulterwülste sowie die zeitweise Polsterung der langen Ärmel fanden sich bei beiden Geschlechtern. In der Form glich das Wams dem Oberteil der Frauen. In der Haartracht ergab sich durch kurzen Haarschnitt und Spitzbart eine Dreiecksform. Beliebt waren goldene Ketten, Ringe und Broschen.

4. Die Strucksche Diele/Dielen (16. bis 18. Jahrhundert)

Die Strucksche Diele, benannt nach ihrem Stifter Prof. Dr. med. R. Struck, ist eine Lübecker Kaufmannsdiele des 18. Jahrhunderts. Ursprünglich lag sie im Haus eines Bierbauers in der Glockengießerstraße. Beim Einbau in das Museum wurde sie durch Teile einer Diele aus der Mengenstraße ergänzt. Diese Diele befindet sich im ersten Stock des St. Annen-Museums.

Die Diele war das Zentrum des Lübecker Bürgerhauses. Sie diente als Aufenthaltsraum für die Familie und als Geschäftsraum für den Kaufmann. Seit dem 15. Jahrhundert trennte man an der Straßenseite einen oder zwei Räume und einen Korridor ab. Im 18. Jahrhundert wurde der ursprünglich offene Herdraum durch eine versprosste Glaswand als Küche abgetrennt. An die Küche schließen sich oft noch weitere niedrige Räume an. Über eine Treppe gelangt man hinauf und von dort aus ging es weiter in die Schlafkammern.

Die Ausstattung entspricht insgesamt der des 18. Jahrhunderts: Fußboden aus quadratischen Kalksteinplatten, eine Dielensäule, deren Balken die gesamte Holzdecke stützt, eine abgeteilte Küche, einen Kontor, eine Galerie und einen Treppenaufgang.

In die Diele konnten sogar Wagen hineinfahren, die Waren anlieferten. Die Dielensäule mit einem geschnitzten korinthischen Kapitell zeigt auf den vier Seiten ihres Sockels Allegorien der vier Jahreszeiten. Die Säule, welche die Decke trägt, steht daher an der Seite um den Warenverkehr nicht zu behindern. Die Balken der Decke sind üppig mit Akanthusranken und Putten (kleine Engel) bemalt, und auch die übrigen Bauteile erhielten eine reiche Dekoration im Geschmack des Barock.

Die Treppe zum Zwischenboden schmücken Fabeltiere. Das Geländer ist auf der Längsseite mit Darstellungen der fünf Sinne verziert, die auf lateinisch benannt werden.

Zur Möblierung der Dielen gehörten große Dielenschränke, aufgestellt in den Entlastungsnischen der Längswände. Zu den am meisten anzutreffenden Mobiliar gehörten Truhen, Sitzgelegenheiten, irgendwo ein Tisch und eine Standuhr. In den Häusern mit einer Weinhandlung lagen in der Diele an einer Stelle wohl große Weinfässer. Allerhand Waren und Arbeitsgeräte, je nach dem Beruf des Hauseigentümers vervollständigten das Bild.